Verkehrspolitische Forderungen des VCD München
Zwei Startbahnen am Münchner Flughafen sind genug
Durch weitreichende Steuerbefreiungen der Fluggesellschaften verzerrt die Politik den Wettbewerb zu Lasten von Bahn, Bus und Klima. Und dann wird gezetert, falls die Bahn es nicht schafft, von heute auf morgen Massen zusätzlicher Fahrgäste zu befördern, wenn der Flugbetrieb wegen Vulkanasche oder Pilotenstreik zusammenbricht.
Die umweltschädlichste Transportart, insbesondere Kurzstrecken- und Zubringerflüge, müssen eingedämmt und nicht durch Subventionen weiter aufgebläht werden. Auf lokaler Ebene können wir aber nur gegen unmittelbare Beeinträchtigungen vorgehen, insbesondere den Lärm-Terror.
Deshalb unterstützt der VCD München das Aktionsbündnis aufgeMUCt.
Leistungsfähige Ringverbindungen für den öffentlichen Verkehr statt weiterer Tunnel durch die Innenstadt
In München gibt es nicht zuwenige U- und S-Bahn-Linien in die Innenstadt, sondern zuviele Menschen, die notgedrungen Umwege über die Innenstadt nehmen müssen, um ihre Ziele zu erreichen.
Der VCD München fordert den Ausbau von Ring- und Tangentialverbindungen, auf denen man die überlasteten Innenstadt-Strecken umfahren kann, wie das für Autofahrer selbstverständlich ist. Dadurch gibt es auf den heutigen Linien automatisch mehr Platz für die Leute, die tatsächlich in die City fahren möchten.
Vorschläge hierzu: Trambahn-Westtangente; Tram Schwabing-Bogenhausen; Stadtumlandbahn; provisorische Haltepunkte für Regionalzüge am Kolumbusplatz und an der Lindwurmstraße (die in der Praxis den Nutzen eines S-Bahn-Südrings demonstrieren würden).
Nein zum zweiten S-Bahntunnel nach derzeitigem Planungsstand
Auch wenn nun Landtag und Stadtrat eine zweite S-Bahn-Röhre (fälschlich: zweite Stammstrecke) beschlossen haben: Die Sache ist für uns noch nicht gegessen. Zur Erinnerung: Es gibt kein tragfähiges Störfallkonzept, d.h. die Fahrgäste werden nach wie vor an irgendeiner Station stranden und sich selbst alternative Routen suchen müssen, unterstützt durch mangelhafte oder unverständliche Durchsagen.
Eine ausgezeichnete Analyse der aktuellen Verhältnisse und der Verheißungen des neuen Tunnels hat Stadtrat Dr. Georg Kronawitter (CSU) ins Netz gestellt. Auch die Positionen der Bürgerinitiative S-Bahn-Tunnel Haidhausen und des Landtagsabgeordneten Dr. Martin Runge (Grüne) findet der VCD unterstützenswert.
Wir fordern einen Planungsstopp und die faire Neubewertung der Alternativen, als da wären: der S-Bahn-Südring, der Nordtunnel und das Zweisystembahn-Konzept des VCD aus dem Jahre 2002.
Zeitdruck für den Bau einer Entlastungsstrecke gibt es nicht, denn die Kapazität der Stammstrecke ist keineswegs ausgereizt, wie immer wieder behauptet oder ahnungslos nachgeplappert wird: Sogar in den Stoßzeiten verkehren die meisten Bahnen nur als Vollzüge (Bahn-Jargon für 2 gekoppelte Einheiten). Dreiteilige Langzüge würden also die Kapazität um über 40% erhöhen, ohne dass ein neuer Tunnel gebaut werden muss. Und Taktverdichtungen auf den Außenästen sind auch möglich, ohne dass alle Züge in die Stammstrecke einfahren müssen.
Förderung des Radverkehrs
Die von der Stadtregierung im April 2009 vollmundig angekündigten Maßnahmen zur Förderung des Radverkehr werden wir kritisch begleiten. Mit ein paar zusätzlichen Radwegen, einer Image-Kampagne und einem Verkehrserziehungsclown ist es nämlich nicht getan. Der VCD hat längst benannt, was die Radler behindert und viele Menschen vom Radeln abhält:
- Zugeparkte Radwege, Schutzstreifen und Kreuzungen
- Überdimensionierte Fahrbahnen auf Kosten von Fuß- und Radwegen
- An Baustellen wird der Radverkehr nicht vernünftig umgeleitet, sondern ein Schild "Radfahrer absteigen" aufgestellt.
- Viele unzulängliche Radwege sind als benutzungspflichtig ausgeschildert.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen, bei denen nur noch Rad-Artisten die Balance halten können
- Fehlende oder deplatzierte Abstellmöglichkeiten an vielen Bahnhöfen, Einkaufsstraßen und anderen typischen Zielen
Attraktiven Radverkehr stellen wir uns anders vor.
Rückgewinnung der Gehwege für die Fußgänger
In hunderten Münchner Straßen parken Kraftfahrer ohne jegliches Unrechtsbewusstsein auf Rad- und Gehwegen. Die Polizei geht dagegen praktisch nicht vor, und die Stadtverwaltung erteilt Zustelldiensten, Lieferanten und Handwerkern Freibriefe zum Gehwegparken. Diese werden weidlich genutzt, auch wenn Ladezonen oder freie Parkplätze vorhanden sind, und ungeniert auch für private Besorgungen.
Wir wollen diese rechtswidrig okkupierten Flächen wieder für Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Kinderwagen, Kinderräder etc. zurückgewinnen.
