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Die Zweite Stammstrecke löst alle Probleme?

Weniger Direktverbindungen und weniger Umsteigebahnhöfe

Die Planungen zur 2. Stammstrecke bringen den meisten Fahrgästen mehr Nachteile als Verbesserungen: Bei weniger Haltestellen in größeren Abständen müssen wesentlich mehr Fahrgäste nochmal umsteigen, gleichzeitig gibt es weniger Verknüpfungspunkte mit anderen Verkehrsmitteln.

Die extreme Tieflage bedingt lange Wege und Zeitverluste. Die Pläne zu Brandschutz und Evakuierungswegen sind unserer Ansicht nach abenteuerlich und ohne kostentreibende Nachbesserungen nicht genehmigungsfähig.

Märchen № 1: Die alte Stammstrecke ist überlastet

Solange in der Hauptverkehrszeit vorwiegend zweiteilige „Vollzüge” anstatt dreiteiliger „Langzüge” verkehren, kann uns niemand erzählen, die Kapazität des vorhandenen Tunnels sei ausgeschöpft. Die absolut vordringlichen Maßnahmen lauten: Zusätzliche Fahrzeuge beschaffen, Züge verlängern und die Strecken im Außenraum ertüchtigen. Tatsächlich überlastet sind nur die zweigleisigen Strecken nach Freising, Markt Schwaben und Fürstenfeldbruck, die sich die S-Bahn mit dem Fern-, Regional- und Güterverkehr teilen muss.

Märchen № 2: Die meisten Fahrgäste aus dem Umland wollen zum Marienplatz oder zum Hauptbahnhof

Tatsache ist: Sehr viele Pendler fahren heute gezwungenermaßen zum Hauptbahnhof oder zum Marienplatz, weil sie dort umsteigen müssen. Könnten sie ihre eigentlichen Ziele anderweitig erreichen, wären diese beiden Knoten auch nicht dermaßen überlastet. Die Zweite Stammstrecke verschärft und zementiert diesen Irrsinn.

Vorprogrammiertes Chaos zum Oktoberfest

Etwa die Hälfte aller S-Bahnen würde künftig den Wiesn-Bahnhof Hackerbrücke nicht mehr bedienen. Deren Fahrgäste werden also zusätzlich in die U-Bahn und die übrigen S-Bahnen umsteigen. Prognose: Die Bahnhöfe Hackerbrücke und Theresienwiese werden die meiste Zeit wegen Überlastung gesperrt werden müssen.

Kein Anschluss unter dieser Nummer

Bis heute haben die Planer keine Störfallkonzepte vorgelegt. Ihr „Notfallplan” scheint zu sein: Bei Sperrung eines Tunnels werden die betroffenen Linien angehalten. Jede Linie ist dann nämlich einem Tunnel zugeordnet; durch den anderen Tunnel umzuleiten lassen die vorgesehenen Tunnelzufahrten gar nicht zu. Das heißt für die Fahrgäste: Sie werden bei Störungen – wie seit 40 Jahren – an irgendeiner Station stranden und sich selbst eine alternative Route suchen müssen, begleitet von irreführenden, unverständlichen oder ausbleibenden Durchsagen.

„Wer braucht schon Fahrgastinformationen? An Kleinigkeiten scheitern wir, aber wir bauen einen 2. Tunnel ...“ (Den Bahn-Managern in den Mund gelegt von Andreas Frank, Pro Bahn)

Gemeinsame Vorschläge der Münchner Fahrgast- und Umweltverbände

Alle namhaften Münchner Initiativen, Vereine und Verbände, die sich für ÖPNV und Fahrgastinteressen einsetzen, haben als Aktionsbündnis S-Bahn-München eine gemeinsame Analyse und einen Stufenplan vorgestellt, der das S-Bahn-System in überschaubaren Schritten ertüchtigt. Alle Einzelmaßnahmen können „Zug um Zug” finanziert und umgesetzt werden. Jeder einzelne Schritt führt in zwei bis drei Jahren zu einer Verbesserung. Der „Plan A” (PDF 2,3 MB) („Plan B” ist oft eine zweitklassige Notlösung – unser „Plan A” ist alles andere) Plan A - Kurzfassung.

Stimme der Vernunft aus der CSU

Dr. Ing. Georg Kronawitter, langjähriges Mitglied im Bezirksausschuss Trudering-Riem und von 2008 bis 2014 Münchner Stadtrat, beschäftigt sich intensiv mit Verkehrspolitik und hat das derzeitige S-Bahn-System und die Planungen zum zweiten Tunnel gründlich analysiert.

Tunnel für München – Streichorgie für die Region

Bund Naturschutz und AAN haben die Auswirkungen des 2. Tunnels Ast für Ast aus den offiziellen Planungen heraus destilliert. So manche Tunnel-Anbeter aus dem Umland würde diese Lektüre aus ihren Träumen reißen, deshalb lassen sie es wohl bleiben.

Der VCD hat über die Jahre verschiedene Vorschläge gemacht, u. a. ins Umland verlängerte U-Bahn-Linien, und Konzepte der anderen Fahrgastverbände, Umweltschutzorganisationen, Parteien, Fraktionen und unabhängigen Verkehrsexperten diskutiert. Die Historie ist anhand unserer Mitgliederzeitung nachvollziehbar, in der die S-Bahn ein wiederkehrendes Thema war.

Vorschläge zum S-Bahn-Ausbau ohne zweiten Tunnel kamen in der letzten 20 Jahren u. a. von:
Planungsbüro Vieregg-Rössler
Ingenieure Baumgartner, Kantke und Schwarz
Planungsgruppe 504
Freie Wähler (Pressemitteilung vom März 2012)

Da die Süddeutsche Zeitung tendenziell pro 2. Stammstrecke schreibt, verlinken wir hier ganz unausgewogen einen skeptischen Kommentar von Frank Müller.

Im weiteren Zusammenhang mit diesem Thema ist uns auch diese Facharbeit einer Schülerin über die Verlängerung der U5 positiv aufgefallen. Dieses Maß an Sachkunde würden wir uns von manchem Mandatsträger wünschen.